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"Gleich zu gleich gesellt sich gerne"
und "Gegensätze ziehen sich an"

Die Wahl des idealen Schlafplatzes hängt davon ab, welcher Typ Katze man selber ist. Grob unterteilen wir die Katzenschaft in "die Abenteurer" und "die Künstler".

Ein Abenteurer wird sich einen Schlafplatz suchen, auf dem sie möglichst unsichtbar ist.
Gerade schwarze Katzen gehören oft in diese Kategorie und ihre bevorzugten Plätze sind: auf dem dunklen Teppich im dunklen Flur, im schwarzen Bettzeug, im Schatten unter dem Tisch. Ziel dieser Wahl ist es nicht, sich vor möglichen Fressfeinden zu tarnen - wer hat das letzte Mal einen Seeadler von der Zimmerdecke stoßen sehen?
Nein, es geht vielmehr um den Nervenkitzel, denn der Abenteurer erhöht die Wahrscheinlichkeit, von den Menschen übersehen und von ihnen getreten, fast plattgesessen oder mit Zeitschriften beschmissen zu werden! Abenteurer leben für den Moment, in dem sie die großen, leuchtenden Augen aufschlagen und vorwurfsvoll auf den Menschen schauen, der dann zurückspringt und etwas ruft wie "Oh, das tut mir leid, ich habe dich gar nicht gesehen!" Die Antwort in dem tiefen Blick der Abenteurer ist dann ein deutliches, leidendes "Ich weiß, ich werde nie beachtet" - eine gute Grundlage für weitere Aktionen, siehe auch das Kapitel "Woher kommen die Leckerlies?".

Abenteurer

Eine Künstlerkatze hingegen tauscht den Genuss des Augenblicks gegen die Gewissheit, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Demnach suchen sie sich einen Schlafplatz, der einen Kontrast zur Fellfarbe darstellt. Besonders begnadete Künstler sind dreifarbige Katzen, weil sie für fast jeden Untergrund die richtige Art von Haaren zu bieten haben. Besonders begehrt sind bei den Künstlerkatzen feine Stoffe, die sich dem raschen Zugriff durch die Waschmaschine entziehen: die unteren Enden von langen Vorhängen, gute Tischdecken, helle Polstermöbel, nachlässig liegen gelassene Wollpullis (den wollte der Mensch anscheinend ohnehin nicht mehr, sonst hätte er ihn ja nicht achtlos auf das Bett geschmissen!) und dergleichen.
Ziel ist es natürlich, in kunstvoller Exaktheit alle weißen Haare auf einem dunklen Untergrund zu verlieren und alle hellen auf einem dunklen - eine bewundernswerte Leistung, die uns Katzen allerdings nahezu im Blute liegt.

Expressionistische Künstler unter uns halten sich allerdings mit solchen Feinheiten nicht auf, sondern gleichen das fehlende Geschick mit Masse aus - wenn sie ihren Schlafplatz verlassen, muss man unwillkürlich an Zellteilung denken, denn es sieht meist so aus, als hätten sie eine weitere Katze zurück gelassen - wenngleich zugegebenermaßen eine ziemlich platte. Welchem Stil auch immer die Künstlerkatze anhängt, einer Sache kann sie sich gewiß sein: der stürmischen, hingebungsvollen und ehrlich gemeinten Anteilnahme des Menschen als Bewunderer des Werkes.